Infoseiten zum Sozialrecht VdK-Kreisverband Rhein-Erft-Kreis, Kölner Str. 6-10, 50126 Bergheim
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Ermittlung des GdB  Bereiche  Suche

Schwerbehinderungnvu2
2. Kopf und Gesicht
2.1 Narben nach Warzenfortsatzaufmeißelung
Einfache Schädelbrüche ohne Komplikationen im Heilverlauf 0
Kleinere Knochenlücken, Substanzverluste (auch größere gedeckte) am knöchernen Schädel 0-10
Schädelnarben am Hirnschädel mit erheblichem Verlust von Knochenmasse ohne Funktionsstörung des Gehirns (einschließlich entstellender Wirkung) 30
Hierzu gehören insbesondere alle traumatisch entstandenen erheblichen (nicht gedeckten) Substanzverluste am Hirnschädel, die auch das innere Knochenblatt betreffen.  
Einfache Gesichtsentstellung  
  nur wenig störend 10
  sonst 20-30
Hochgradige Entstellung des Gesichts 50
2.2 Sensibilitätsstörungen im Gesichtsbereich  
  leicht 0-10
  ausgeprägt, den oralen Bereich einschließend 20-30
Gesichtsneuralgien (z. B. Trigeminusneuralgie)  
  leicht (seltene, leichte Schmerzen) 0-10
  mittelgradig (häufigere, leichte bis mittelgradige Schmerzen, schon durch geringe Reize auslösbar)   20-40
 
  schwer (häufige, mehrmals im Monat auftretende starke Schmerzen bzw. Schmerzattacken)   50-60
 
  besonders schwer (starker Dauerschmerz oder Schmerzattacken mehrmals wöchentlich)   70-80
 
2.3 Echte Migräne  
je nach Häufigkeit und Dauer der Anfälle und Ausprägung der Begleiterscheinungen.  
  leichte Verlaufsform (Anfälle durchschnittlich einmal monatlich)   0-10
 
  mittelgradige Verlaufsform (häufigere Anfälle, jeweils einen oder mehrere Tage anhaltend)   20-40
 
  schwere Verlaufsform (lang andauernde Anfälle mit stark ausgeprägten Begleiterscheinungen, Anfallspausen von nur wenigen Tagen)   50-60
 
2.4 Periphere Fazialisparese  
einseitig  
  kosmetisch nur wenig störende Restparese 0-10
  ausgeprägtere Restparese oder Kontrakturen 20-30
  komplette Lähmung oder ausgeprägte Kontraktur 40
beidseitig komplette Lähmung 50

3.
Nervensystem und Psyche
3.1 Hirnschäden
a) Ein Hirnschaden ist nachgewiesen, wenn Symptome einer organischen Veränderung des Gehirns - nach Verletzung oder Krankheit nach dem Abklingen der akuten Phase - festgestellt worden sind. Wenn bei späteren Untersuchungen keine hirnorganischen Funktionsstörungen und Leistungsbeeinträchtigungen mehr zu erkennen sind beträgt der GdS dann - auch unter Einschluss geringer z. B. vegetativer Beschwerden - 20; nach offenen Hirnverletzungen nicht unter 30.
b) Bestimmend für die Beurteilung des GdS ist das Ausmaß der bleibenden Ausfallserscheinungen. Dabei sind der neurologische Befund, die Ausfallserscheinungen im psychischen Bereich unter Würdigung der prämorbiden Persönlichkeit und ggf. das Auftreten von zerebralen Anfällen zu beachten. Bei der Mannigfaltigkeit der Folgezustände von Hirnschädigungen kommt ein GdS zwischen 20 und 100 in Betracht.
c) Bei Kindern ist zu berücksichtigen, dass sich die Auswirkungen eines Hirnschadens abhängig vom Reifungsprozess sehr verschieden (Besserung oder Verschlechterung) entwickeln können, so dass in der Regel Nachprüfungen in Abständen von wenigen Jahren angezeigt sind.
d) Bei einem mit Ventil versorgten Hydrozephalus ist ein GdS von wenigstens 30 anzusetzen.
e) Nicht nur vorübergehende vegetative Störungen nach Gehirnerschütterung (reversible und morphologisch nicht nachweisbare Funktionsstörung des Gesamthirns) rechtfertigen im ersten Jahr nach dem Unfall einen GdS von 10 bis 20. Bei der folgenden GdS-Tabelle der Hirnschäden soll die unter Nummer 3.1.1 genannte Gesamtbewertung im Vordergrund stehen. Die unter Nummer 3.1.2 angeführten isoliert vorkommenden bzw. führenden Syndrome stellen eine ergänzende Hilfe zur Beurteilung dar.

3.1.1
 Grundsätze der Gesamtbewertung von Hirnschäden  
Hirnschäden mit geringer Leistungsbeeinträchtigung 30-40
Hirnschäden mit mittelschwerer Leistungsbeeinträchtigung 50-60
Hirnschäden mit schwerer Leistungsbeeinträchtigung 70-100
3.1.2 Bewertung von Hirnschäden mit isoliert vorkommenden bzw. führenden Syndromen  
(bei Begutachtungen im sozialen Entschädigungsrecht auch zur Feststellung der Schwerstbeschädigtenzulage)  
Hirnschäden mit psychischen Störungen  
  leicht (im Alltag sich gering auswirkend) 30-40
  mittelgradig (im Alltag sich deutlich auswirkend) 50-60
  schwer 70-100
Zentrale vegetative Störungen als Ausdruck eines Hirndauerschadens (z. B. Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus, der Vasomotorenregulation oder der Schweißregulation)  
  leicht 30
  mittelgradig, auch mit vereinzelten synkopalen Anfällen 40
  mit häufigeren Anfällen oder erheblichen Auswirkungen auf den Allgemeinzustand 50
Koordinations- und Gleichgewichtsstörungen (spino-) zerebellarer Ursache je nach dem Ausmaß der Störung der Ziel- und Feinmotorik einschließlich der Schwierigkeiten beim Gehen und Stehen  
(siehe hierzu auch bei Hör- und Gleichgewichtsorgan) 30-100
Hirnschäden mit kognitiven Leistungsstörungen (z. B. Aphasie, Apraxie, Agnosie)  
  leicht (z. B. Restaphasie) 30-40
  mittelgradig (z. B. Aphasie mit deutlicher bis sehr ausgeprägter Kommunikationsstörung) 50-80
  schwer (z. B. globale Aphasie) 90-100
Zerebral bedingte Teillähmungen und Lähmungen  
  leichte Restlähmungen und Tonusstörungen der Gliedmaßen 30
  bei ausgeprägteren Teillähmungen und vollständigen Lähmungen ist der GdS aus Vergleichen mit dem GdS bei Gliedmaßenverlusten, peripheren Lähmungen und anderen Funktionseinbußen der Gliedmaßen abzuleiten. vollständige Lähmung von Arm und Bein (Hemiplegie) 100
Parkinson-Syndrom  
  ein- oder beidseitig, geringe Störung der Bewegungsabläufe, keine Gleichgewichtsstörung, geringe Verlangsamung 30-40
  deutliche Störung der Bewegungsabläufe, Gleichgewichtsstörungen, Unsicherheit beim Umdrehen, stärkere Verlangsamung 50-70
  schwere Störung der Bewegungsabläufe bis zur Immobilität 80-100
Andere extrapyramidale Syndrome - auch mit Hyperkinesen - sind analog nach Art und Umfang der gestörten Bewegungsabläufe und der Möglichkeit ihrer Unterdrückung zu bewerten; bei lokalisierten Störungen (z. B. Torticollis spasmodicus) sind niedrigere GdS als bei generalisierten (z. B. choreatische Syndrome) in Betracht zu ziehen.
Epileptische Anfälle  
je nach Art, Schwere, Häufigkeit und tageszeitlicher Verteilung  
  sehr selten (generalisierte [große] und komplex-fokale Anfälle mit Pausen von mehr als einem Jahr; kleine und einfach-fokale Anfälle mit Pausen von Monaten)   40
  selten (generalisierte [große] und komplex-fokale Anfälle mit Pausen von Monaten; kleine und einfach-fokale Anfälle mit Pausen von Wochen)   50-60
 
  mittlere Häufigkeit (generalisierte [große] und komplex-fokale Anfälle mit Pausen von Wochen; kleine und einfach-fokale Anfälle mit Pausen von Tagen)   60-80
 
  häufig (generalisierte [große] oder komplex-fokale Anfälle wöchentlich oder Serien von generalisierten Krampfanfällen, von fokal betonten oder von multifokalen Anfällen; kleine und einfach-fokale Anfälle täglich)   90-100
 
  nach drei Jahren Anfallsfreiheit bei weiterer Notwendigkeit antikonvulsiver Behandlung 30
Ein Anfallsleiden gilt als abgeklungen, wenn ohne Medikation drei Jahre Anfallsfreiheit besteht. Ohne nachgewiesenen Hirnschaden ist dann kein GdS mehr anzunehmen.
3.2 Narkolepsie
Je nach Häufigkeit, Ausprägung und Kombination der Symptome (Tagesschläfrigkeit, Schlafattacken, Kataplexien, automatisches Verhalten im Rahmen von Ermüdungserscheinungen, Schlaflähmungen - häufig verbunden mit hypnagogen Halluzinationen) ist im Allgemeinen ein GdS von 50 bis 80 anzusetzen.
3.3 Hirntumoren
Der GdS von Hirntumoren ist vor allem von der Art und Dignität und von der Ausdehnung und Lokalisation mit ihren Auswirkungen abhängig.
Nach der Entfernung gutartiger Tumoren (z. B. Meningeom, Neurinom) richtet sich der GdS allein nach dem verbliebenen Schaden.
Bei Tumoren wie Oligodendrogliom, Ependymom, Astrozytom II, ist der GdS, wenn eine vollständige Tumorentfernung nicht gesichert ist, nicht niedriger als 50 anzusetzen.
Bei malignen Tumoren (z. B. Astrozytom III, Glioblastom, Medulloblastom) ist der GdS mit wenigstens 80 zu bewerten.
Das Abwarten einer Heilungsbewährung (von fünf Jahren) kommt in der Regel nur nach der Entfernung eines malignen Kleinhirntumors des Kindesalters (z. B. Medulloblastom) in Betracht. Der GdS beträgtwidth="90%" während dieser Zeit (im Frühstadium) bei geringer Leistungsbeeinträchtigung 50.
3.4 Beeinträchtigungen der geistigen Leistungsfähigkeit im Kindes- und Jugendalter
Die GdS-Beurteilung der Beeinträchtigungen der geistigen Entwicklung darf nicht allein vom Ausmaß der Intelligenzminderung und von diesbezüglichen Testergebnissen ausgehen, die immer nur Teile der Behinderung zu einem bestimmten Zeitpunkt erfassen können. Daneben muss stets auch die Persönlichkeitsentwicklung auf affektivem und emotionalem Gebiet, wie auch im Bereich des Antriebs und der Prägung durch die Umwelt mit allen Auswirkungen auf die sozialen Einordnungsmöglichkeiten berücksichtigt werden.
3.4.1 Entwicklungsstörungen im Kleinkindesalter  
Die Beurteilung setzt eine standardisierte Befunderhebung mit Durchführung geeigneter Testverfahren voraus (Nachuntersuchung mit Beginn der Schulpflicht). Umschriebene Entwicklungsstörungen in den Bereichen Motorik, Sprache oder Wahrnehmung und Aufmerksamkeit
  leicht, ohne wesentliche Beeinträchtigung der Gesamtentwicklung 0-10
  sonst - bis zum Ausgleich -  
  je nach Beeinträchtigung der Gesamtentwicklung 20-40
  bei besonders schwerer Ausprägung 50
Globale Entwicklungsstörungen (Einschränkungen in den Bereichen Sprache und Kommunikation, Wahrnehmung und Spielverhalten, Motorik, Selbständigkeit, soziale Integration)
je nach Ausmaß der sozialen Einordnungsstörung und der Verhaltensstörung (z. B. Hyperaktivität, Aggressivität)
  geringe Auswirkungen 30-40
  starke Auswirkungen (z. B. Entwicklungsquotient [EQ] von 70 bis über 50)   50-70
 
  schwere Auswirkungen (z. B. EQ 50 und weniger) 80-100
3.4.2 Einschränkung der geistigen Leistungsfähigkeit im Schul- und Jugendalter  

Kognitive Teilleistungsschwächen (z. B. Lese-Rechtschreib-Schwäche [Legasthenie], isolierte Rechenstörung)
 
  leicht, ohne wesentliche Beeinträchtigung der Schulleistungen 0-10
  sonst - auch unter Berücksichtigung von Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen - bis zum Ausgleich 20-40
  bei besonders schwerer Ausprägung (selten) 50

Einschränkung der geistigen Leistungsfähigkeit mit einem Intelligenzrückstand entsprechend einem Intelligenz-Alter (I.A.) von etwa 10 bis 12 Jahren bei Erwachsenen (Intelligenzquotient [IQ] von etwa 70 bis 60)
  wenn während des Schulbesuchs nur geringe Störungen, insbesondere der Auffassung, der Merkfähigkeit, der psychischen Belastbarkeit, der sozialen Einordnung, des Sprechens, der Sprache, oder anderer kognitiver Teilleistungen vorliegen 30-40
  wenn sich nach Abschluss der Schule noch eine weitere Bildungsfähigkeit gezeigt hat und keine wesentlichen, die soziale Einordnung erschwerenden Persönlichkeitsstörungen bestehen 30-40
  wenn ein Ausbildungsberuf unter Nutzung der Sonderregelungen für behinderte Menschen erreicht werden kann 30-40
  wenn während des Schulbesuchs die oben genannten Störungen stark ausgeprägt sind oder mit einem Schulversagen zu rechnen ist 50-70
  wenn nach Abschluss der Schule auf eine Beeinträchtigung der Fähigkeit zu selbständiger Lebensführung oder sozialer Einordnung geschlossen werden kann 50-70
  wenn der behinderte Mensch wegen seiner Behinderung trotz beruflicher Fördermöglichkeiten (z. B. in besonderen Rehabilitationseinrichtungen) nicht in der Lage ist, sich auch unter Nutzung der Sonderregelungen für behinderte Menschen beruflich zu qualifizieren 50-70

Intelligenzmangel mit stark eingeengter Bildungsfähigkeit, erheblichen Mängeln im Spracherwerb, Intelligenzrückstand entsprechend einem I.A. unter 10 Jahren bei Erwachsenen (IQ unter 60)
  bei relativ günstiger Persönlichkeitsentwicklung und sozialer Anpassungsmöglichkeit (Teilerfolg in einer Sonderschule, selbständige Lebensführung in einigen Teilbereichen und Einordnung im allgemeinen Erwerbsleben mit einfachen motorischen Fertigkeiten noch möglich) 80-90
  bei stärkerer Einschränkung der Eingliederungsmöglichkeiten mit hochgradigem Mangel an Selbständigkeit und Bildungsfähigkeit, fehlender Sprachentwicklung, unabhängig von der Arbeitsmarktlage und auf Dauer Beschäftigungsmöglichkeit nur in einer Werkstatt für Behinderte 100

3.5
 Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend  
Die Kriterien der Definitionen der ICD 10-GM Version 2011 müssen erfüllt sein. Komorbide psychische Störungen sind gesondert zu berücksichtigen. Eine Behinderung liegt erst ab Beginn der Teilhabebeeinträchtigung vor. Eine pauschale Festsetzung des GdS nach einem bestimmten Lebensalter ist nicht möglich.  

3.5.1
 Tief greifende Entwicklungsstörungen (insbesondere frühkindlicher Autismus, atypischer Autismus, Asperger-Syndrom)
Bei tief greifenden Entwicklungsstörungen
– ohne soziale Anpassungsschwierigkeiten beträgt der GdS 10–20,
– mit leichten sozialen Anpassungsschwierigkeiten beträgt der GdS 30–40,
– mit mittleren sozialen Anpassungsschwierigkeiten beträgt der GdS 50–70,
– mit schweren sozialen Anpassungsschwierigkeiten beträgt der GdS 80–100.
Soziale Anpassungsschwierigkeiten liegen insbesondere vor, wenn die Integrationsfähigkeit in Lebensbereiche (wie zum Beispiel Regel-Kindergarten, Regel-Schule, allgemeiner Arbeitsmarkt, öffentliches Leben, häusliches Leben) nicht ohne besondere Förderung oder Unterstützung (zum Beispiel durch Eingliederungshilfe) gegeben ist oder wenn die Betroffenen einer über das dem jeweiligen Alter entsprechende Maß hinausgehenden Beaufsichtigung bedürfen. Mittlere soziale Anpassungsschwierigkeiten liegen insbesondere vor, wenn die Integration in Lebensbereiche nicht ohne umfassende Unterstützung (zum Beispiel einen Integrationshelfer als Eingliederungshilfe) möglich ist. Schwere soziale Anpassungsschwierigkeiten liegen insbesondere vor, wenn die Integration in Lebensbereiche auch mit umfassender Unterstützung nicht möglich ist.  

3.5.2
 Hyperkinetische Störungen und Aufmerksamkeitsstörungen ohne Hyperaktivität
Ohne soziale Anpassungsschwierigkeiten liegt keine Teilhabebeeinträchtigung vor.
Bei sozialen Anpassungsschwierigkeiten
– ohne Auswirkung auf die Integrationsfähigkeit beträgt der GdS 10 – 20. – mit Auswirkungen auf die Integrationsfähigkeit in mehreren Lebensbereichen (wie zum Beispiel Regel-Kindergarten, Regel-Schule, allgemeiner Arbeitsmarkt, öffentliches Leben, häusliches Leben) oder wenn die Betroffenen einer über das dem jeweiligen Alter entsprechende Maß hinausgehenden Beaufsichtigung bedürfen, beträgt der GdS 30 – 40. – mit Auswirkungen, die die Integration in Lebensbereiche nicht ohne umfassende Unterstützung oder umfassende Beaufsichtigung ermöglichen, beträgt der GdS 50 – 70.
– mit Auswirkungen, die die Integration in Lebensbereiche auch mit umfassender Unterstützung nicht ermöglichen, beträgt der GdS 80 – 100.
Ab dem Alter von 25 Jahren beträgt der GdS regelhaft nicht mehr als 50.  

3.5.3 
 Störungen des Sozialverhaltens und Störungen sozialer Funktionen mit Beginn in der Kindheit und Jugend sind je nach Ausmaß der Teilhabebeeinträchtigung, insbesondere der Einschränkung der sozialen Integrationsfähigkeit und dem Betreuungsaufwand, individuell zu bewerten.  

3.6
 Schizophrene und affektive Psychosen
 
Langdauernde (über ein halbes Jahr anhaltende) Psychose im floriden Stadium je nach Einbuße beruflicher und sozialer Anpassungsmöglichkeiten 50-100

Schizophrener Residualzustand (z. B. Konzentrationsstörung, Kontaktschwäche, Vitalitätseinbuße, affektive Nivellierung) mit geringen und einzelnen Restsymptomen  
  ohne soziale Anpassungsschwierigkeiten 10-20
  mit leichten sozialen Anpassungsschwierigkeiten 30-40
  mit mittelgradigen sozialen Anpassungsschwierigkeiten 50-70
  mit schweren sozialen Anpassungsschwierigkeiten 80-100

Affektive Psychose mit relativ kurz andauernden, aber häufig wiederkehrenden Phasen  
  bei 1 bis 2 Phasen im Jahr von mehrwöchiger Dauer je nach Art und Ausprägung 30-50
  bei häufigeren Phasen von mehrwöchiger Dauer 60-100
Nach dem Abklingen lang dauernder psychotischer Episoden ist eine Heilungsbewährung von zwei Jahren abzuwarten.
GdS während dieser Zeit, wenn bereits mehrere manische oder manische und depressive Phasen vorangegangen sind
50
  sonst 30
Eine Heilungsbewährung braucht nicht abgewartet zu werden, wenn eine monopolar verlaufene depressive Phase vorgelegen hat, die als erste Krankheitsphase oder erst mehr als zehn Jahre nach einer früheren Krankheitsphase aufgetreten ist.

3.7
 Neurosen, Persönlichkeitsstörungen, Folgen psychischer Traumen  
Leichtere psychovegetative oder psychische Störungen 0-20
Stärker behindernde Störungen   mit wesentlicher Einschränkung der Erlebnis- und Gestaltungsfähigkeit   (z. B. ausgeprägtere depressive, hypochondrische, asthenische oder phobische Störungen, Entwicklungen mit Krankheitswert, somatoforme Störungen)     30-40
Schwere Störungen (z. B. schwere Zwangskrankheit)  
  mit mittelgradigen sozialen Anpassungsschwierigkeiten 50-70
  mit schweren sozialen Anpassungsschwierigkeiten 80-100

3.8
 Psychische Störungen und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen
Der schädliche Gebrauch psychotroper Substanzen ohne körperliche oder psychische Schädigung bedingt keinen Grad der Schädigungsfolgen. Die Abhängigkeit von Koffein oder Tabak sowie von Koffein und Tabak bedingt für sich allein in der Regel keine Teilhabebeeinträchtigung.
Abhängigkeit von psychotropen Substanzen liegt vor, wenn als Folge des chronischen Substanzkonsums mindestens drei der folgenden Kriterien erfüllt sind: – starker Wunsch (Drang), die Substanz zu konsumieren, – verminderte Kontrollfähigkeit (Kontrollverlust) den Konsum betreffend, – Vernachlässigung anderer sozialer Aktivitäten zugunsten des Substanzkonsums, – fortgesetzter Substanzkonsum trotz des Nachweises schädlicher Folgen, – Toleranzentwicklung, – körperliche Entzugssymptome nach Beenden des Substanzkonsums. Es gelten folgende GdS-Werte:
Bei schädlichem Gebrauch von psychotropen Substanzen mit leichteren psychischen Störungen beträgt der GdS 0–20.
Bei Abhängigkeit: – mit leichten sozialen Anpassungsschwierigkeiten beträgt der GdS 30–40, – mit mittleren sozialen Anpassungsschwierigkeiten beträgt der GdS 50–70, – mit schweren sozialen Anpassungsschwierigkeiten beträgt der GdS 80–100.
Ist im Fall einer Abhängigkeit, die zuvor mit einem GdS von mindestens 50 zu bewerten war, Abstinenz erreicht, muss eine Heilungsbewährung von zwei Jahren ab dem Zeitpunkt des Beginns der Abstinenz abgewartet werden. Während dieser Zeit ist ein GdS von 30 anzunehmen, es sei denn, die bleibenden psychischen oder hirnorganischen Störungen rechtfertigen einen höheren GdS. Weitere Organschäden sind unter Beachtung von Teil A Nummer 2 Buchstabe e der Versorgungsmedizinischen Grundsätze zu bewerten.
Abnorme Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle sind nach Teil B Nummer 3.7 zu bewerten.

3.9
 Rückenmarkschäden  
  Unvollständige, leichte Halsmarkschädigung mit beidseits geringen motorischen und sensiblen Ausfällen, ohne Störungen der Blasen- und Mastdarmfunktion 30-60
  Unvollständige Brustmark-, Lendenmark- oder Kaudaschädigung mit Teillähmung beider Beine, ohne Störungen der Blasen- und Mastdarmfunktion 30-60
  Unvollständige Brustmark-, Lendenmark- oder Kaudaschädigung mit Teillähmung beider Beine und Störungen der Blasen- und/oder Mastdarmfunktion 60-80
  Unvollständige Halsmarkschädigung mit gewichtigen Teillähmungen beider Arme und Beine und Störungen der Blasen- und/oder Mastdarmfunktion 100
  Vollständige Halsmarkschädigung mit vollständiger Lähmung beider Arme und Beine und Störungen der Blasen- und/ oder Mastdarmfunktion 100
  Vollständige Brustmark-, Lendenmark-, oder Kaudaschädigung mit vollständiger Lähmung der Beine und Störungen der Blasen und/oder Mastdarmfunktion 100

3.10
 Multiple Sklerose Der GdS richtet sich vor allem nach den zerebralen und spinalen Ausfallserscheinungen. Zusätzlich ist die aus dem klinischen Verlauf sich ergebende Krankheitsaktivität zu berücksichtigen.  

3.11
 Polyneuropathien  
Bei den Polyneuropathien ergeben sich die Funktionsbeeinträchtigungen aufgrund motorischer Ausfälle (mit Muskelatrophien), sensibler Störungen oder Kombinationen von beiden. Der GdS motorischer Ausfälle ist in Analogie zu den peripheren Nervenschäden einzuschätzen. Bei den sensiblen Störungen und Schmerzen ist zu berücksichtigen, dass schon leichte Störungen zu Beeinträchtigungen - z. B. bei Feinbewegungen - führen können.

4. Sehorgan
Die Sehbehinderung umfasst alle Störungen des Sehvermögens. Für die Beurteilung ist in erster Linie die korrigierte Sehschärfe maßgebend; daneben sind u. a. Ausfälle des Gesichtsfeldes und des Blickfeldes zu berücksichtigen.
Die Sehschärfe ist grundsätzlich entsprechend den Empfehlungen der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) nach DIN 58220 zu bestimmen; Abweichungen hiervon sind nur in Ausnahmefällen zulässig (zum Beispiel bei Bettlägerigkeit oder Kleinkindern). Die übrigen Partialfunktionen des Sehvermögens sind nur mit Geräten oder Methoden zu prüfen, die den Empfehlungen der DOG entsprechend eine gutachtenrelevante einwandfreie Beurteilung erlauben.
Hinsichtlich der Gesichtsfeldbestimmung bedeutet dies, dass zur Feststellung von Gesichtsfeldausfällen nur Ergebnisse der manuellkinetischen Perimetrie entsprechend der Marke Goldmann III/4e verwertet werden dürfen.
Bei der Beurteilung von Störungen des Sehvermögens ist darauf zu achten, dass der morphologische Befund die Sehstörungen erklärt.
Die Grundlage für die GdS-Beurteilung bei Herabsetzung der Sehschärfe bildet die „MdE-Tabelle der DOG".
4.1 Verlust eines Auges mit dauernder, einer Behandlung nicht
zugänglichen Eiterung der Augenhöhle 40
4.2 Linsenverlust  
Linsenverlust korrigiert durch intraokulare Kunstlinse oder Kontaktlinse  
  Linsenverlust eines Auges  
    Sehschärfe 0,4 und mehr 10
    Sehschärfe 0,1 bis weniger als 0,4 20
    Sehschärfe weniger als 0,1 25-30
  Linsenverlust beider Augen  
    Beträgt der sich aus der Sehschärfe für beide Augen ergebende GdS nicht mehr als 60, ist dieser um 10 zu erhöhen.  
  Die GdS-Werte setzen die Verträglichkeit der Linsen voraus. Maßgebend ist der objektive Befund.  
  Bei Versorgung mit Starbrille ist der aus der Sehschärfe für beide Augen sich ergebende GdS um 10 zu erhöhen, bei Blindheit oder Verlust des anderen Auges um 20.  
  Bei Unkorrigierbarkeit richtet sich der GdS nach der Restsehschärfe.  
4.3 Die augenärztliche Untersuchung umfasst die Prüfung der einäugigen und beidäugigen Sehschärfe. Sind die Ergebnisse beider Prüfungsarten unterschiedlich, so ist bei der Bewertung die beidäugige Sehschärfe als Sehschärfewert des besseren Auges anzusetzen.  
MdE-Tabelle der DOG
                  RA 1,0 0,8 0,63 0,5 0,4 0,32 0,25 0,2 0,16 0,1 0,08 0,05 0,02 0
    5/5 5/6 5/8 5/10 5/12 5/15 5/20 5/25 5/30 5/50 1/12 1/20 1/50 0
Linkes Auge  
1,0 5/5 0 0 0 5 5 10 10 10 15 20 20 25 25 *25
0,8 5/6 0 0 5 5 10 10 10 15 20 20 25 30 30 30
0,63 5/8 0 5 10 10 10 10 15 20 20 25 30 30 30 40
0,5 5/10 5 5 10 10 10 15 20 20 25 30 30 35 40 40
0,4 5/12 5 10 10 10 20 20 25 25 30 30 35 40 50 50
0,32 5/15 10 10 10 15 20 30 30 30 40 40 40 50 50 50
0,25 5/20 10 10 15 20 25 30 40 40 40 50 50 50 60 60
0,2 5/25 10 15 20 20 25 30 40 50 50 50 60 60 70 70
0,16 5/30 15 20 20 25 30 40 40 50 60 60 60 70 80 80
0,1 5/50 20 20 25 30 30 40 50 50 60 70 70 80 90 90
0,08 1/12 20 25 30 30 35 40 50 60 60 70 80 90 90 90
0,05 1/20 25 30 30 35 40 50 50 60 70 80 90 100 100 100
0,02 1/50 25 30 30 40 50 50 60 70 80 90 90 100 100 100
0 0 *25 30 40 40 50 50 60 70 80 90 90 100 100 100
 
4.4 Augenmuskellähmungen, Strabismus  
  wenn ein Auge wegen der Doppelbilder vom Sehen ausgeschlossen werden muss 30
  bei Doppelbildern nur in einigen Blickfeldbereichen bei sonst normalem Binokularsehen ergibt sich der GdS aus dem nachstehenden Schema von Haase und Steinhorst:  
  https://www.gesetze-im-internet.de/normengrafiken/bgbl1_2008/j0031_0010.jpg 
  bei einseitiger Bildunterdrückung durch Gewöhnung (Exklusion) und entsprechendem Verschwinden der Doppelbilder 10
  Einschränkungen der Sehschärfe (z. B. Amblyopie) oder eine erheblich entstellende Wirkung sind ggf. zusätzlich zu berücksichtigen.  
Lähmung des Oberlides mit nicht korrigierbarem, vollständigem  
  Verschluss des Auges 30
  sonst 10-20
Fehlstellungen der Lider, Verlegung der Tränenwege mit Tränenträufeln  
  einseitig 0-10
  beidseitig 10-20
4.5 Gesichtsfeldausfälle
  Vollständige Halbseiten- und Quadrantenausfälle
    Homonyme Hemianopsie 40
    Bitemporale Hemianopsie 30
    Binasale Hemianopsie  
    bei beidäugigem Sehen 10
    bei Verlust des beidäugigen Sehens 30
    Homonymer Quadrant oben 20
    Homonymer Quadrant unten 30
    Vollständiger Ausfall beider unterer Gesichtsfeldhälften 60
  Ausfall einer Gesichtsfeldhälfte bei Verlust oder Blindheit des anderen Auges
    nasal 60
    temporal 70
  Bei unvollständigen Halbseiten- und Quadrantenausfällen ist der GdS entsprechend niedriger anzusetzen.
Gesichtsfeldeinengungen
  Allseitige Einengung bei normalem Gesichtsfeld des anderen Auges
   

auf 10° Abstand vom Zentrum

10
    auf 5° Abstand vom Zentrum 25
 

 Allseitige Einengung binokular

 
    auf 50° Abstand vom Zentrum 10
    auf 30° Abstand vom Zentrum 30
    auf 10° Abstand vom Zentrum 70
    auf 5° Abstand vom Zentrum 100
  Allseitige Einengung bei Fehlen des anderen Auges
    auf 50° Abstand vom Zentrum 40
    auf 30° Abstand vom Zentrum 60
    auf 10° Abstand vom Zentrum 90
    auf 5° Abstand vom Zentrum 100
  Unregelmäßige Gesichtsfeldausfälle, Skotome im 50°-Gesichtsfeld unterhalb des horizontalen Meridians, binokular
    mindestens 1/3 ausgefallene Fläche 20
    mindestens 2/3 ausgefallene Fläche 50
  Bei Fehlen eines Auges sind die Skotome entsprechend höher zu bewerten.  
4.6 Ausfall des Farbensinns 0
Einschränkung der Dunkeladaptation (Nachtblindheit) oder des Dämmerungssehens 0-10
4.7 Nach Hornhauttransplantationen richtet sich der GdS allein nach dem Sehvermögen.
4.8 Nach Entfernung eines malignen Augentumors ist in den ersten fünf Jahren eine Heilungsbewährung abzuwarten; GdS während dieser Zeit
    bei Tumorbegrenzung auf den Augapfel (auch bei Augapfelentfernung) 50
    sonst wenigstens 80

5. Hör- und Gleichgewichtsorgan
Maßgebend für die Bewertung des GdS bei Hörstörungen ist die Herabsetzung des Sprachgehörs, deren Umfang durch Prüfung ohne Hörhilfen zu bestimmen ist. Der Beurteilung ist die von der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie empfohlene Tabelle (siehe Nummer 5.2.4, Tabelle D) zugrunde zu legen. Nach Durchführung eines Ton- und Sprachaudiogramms ist der Prozentsatz des Hörverlustes aus entsprechenden Tabellen abzuleiten.
Die in der GdS-Tabelle enthaltenen Werte zur Schwerhörigkeit berücksichtigen die Möglichkeit eines Teilausgleichs durch Hörhilfen mit.
Sind mit der Hörstörung andere Erscheinungen verbunden, z. B. Ohrgeräusche, Gleichgewichtsstörungen, Artikulationsstörungen oder außergewöhnliche psychoreaktive Störungen, so kann der GdS entsprechend höher bewertet werden.
5.1 Angeborene oder in der Kindheit erworbene Taubheit oder an Taubheit grenzende Schwerhörigkeit mit Sprachstörungen  
  angeboren oder bis zum 7. Lebensjahr erworben (schwere Störung des Spracherwerbs, in der Regel lebenslang) 100
  später erworben (im 8. bis 18. Lebensjahr) mit schweren Sprachstörungen (schwer verständliche Lautsprache, geringer Sprachschatz) 100
  sonst je nach Sprachstörung 80-90
5.2 Hörverlust  
5.2.1 Zur Ermittlung des prozentualen Hörverlustes aus den Werten der sprachaudiometrischen Untersuchung (nach Boenninghaus u. Röser 1973):  Tabelle A  

 
  
      Hörverlust für Zahlen in dB
<  ab ab ab ab ab ab ab ab ab ab ab
20 20 25 30 35 40 45 50 55 60 65 70

G

E

S

A

M

T

W

O

R

T

V

E

R

S

T

E

H

E

N

< 20 100 100 100 100 100 100 100 100 1 00 100 100 100
ab 20 95 95 95 95 95 95 95 95 95 95 95 100
ab 35 90 90 90 90 90 90 90 90 90 90 95 100
ab 50 80 80 80 80 80 80 80 80 80 90 95 100
ab 75 70 70 70 70 70 70 70 70 80 90 95 100
ab 100 60 60 60 60 60 60 60 70 80 90 95  
ab 125 50 50 50 50 50 50 60 70 80 90    
ab 150 40 40 40 40 40 50 60 70 80      
ab 175 30 30 30 30 40 50 60 70        
ab 200 20 20 20 30 40 50 60          
ab 225 10 10 20 30 40 50            
ab 250 0 10 20 30 40              

Das Gesamtwortverstehen wird aus der Wortverständigungskurve errechnet. Es entsteht durch Addition der Verständnisquoten bei 60, 80 und 100 dB Lautstärke (einfaches Gesamtwortverstehen). Bei der Ermittlung von Schwerhörigkeiten bis zu einem Hörverlust von 40% ist das gewichtete Gesamtwortverstehen (FeIdmann 1988 anzuwenden: 3 x Verständnisquote bei 60dB + 2 x Verständnisquote bei 80 dB + 1 x Verständnisquote bei 100 dB. Summe dividiert durch 2.
5.2.2 Zur Ermittlung des prozentualen Hörverlustes aus dem Tonaudiogramm bei unregelmäßigem Verlauf der Tongehörskurve. Der prozentuale Hörverlust ergibt sich durch Addition der vier Teilkomponenten (4-Frequenztabelle nach Röser 1973):  Tabelle B
   
Tonhörverlust        
dB 500 Hz 1000 Hz 2000 Hz 4000 Hz
10 0 0 0 0
15 2 3 2 1
20 3 5 5 2
25 4 8 7 4
30 6 10 9 5
35 8 13 11 6
40 9 16 13 7
45 11 18 16 8
50 12 21 18 9
55 14 24 20 10
60 15 26 23 11
65 17 29 25 12
70 18 32 27 13
75 19 32 28 14
80 19 33 29 14
ab 85 20 35 30 15


5.2.3.3 Frequenztabelle nach Röser 1980 für die Beurteilung bei Hochtonverlusten vom Typ Lärmschwerhörigkeit: Tabelle C
S
U
M
M
E
 
B
E
I
 
2
+
3
kHz
 

dB von bis
Tonverlust bei 1 kHz
0 5 15 25 35 45 55 65 75 85 95
5 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100
0 - 15 0 0 0 0 5 5 Hörverlust in %
20 - 35 0 0 0 5 10 20 30  
40 - 55 0 0 0 10 20 25 35 45        
60 - 75 0 0 10 15 25 35 40 50 60
80 - 95 0 5 15 25 30 40 50 60 70 80  
100 - 115 5 15 20 30 40 45 55 70 80 90 100
120 - 135 10 20 30 35 45 55 65 75 90 100 100
140 - 155 20 25 35 45 50 60 75 85 95 100 100
160 - 175 25 35 40 50 60 70 80 95 100 100 100
80 - 195 30 40 50 55 70 80 90 100 100 100 100
ab 200 40 45 55 65 75 90 100 100 100 100 100

5.2.4 Zur Ermittlung des GdS aus den Schwerhörigkeitsgraden für beide Ohren:  Tabelle D
R
E
C
H
T
E
S
 
O
H
R
Normalhörigkeit 0 - 20 0 0 10 10 15 20
Geringgradige Schwerhörigkeit 20 - 40 0 15 20 20 30 30
Mittelgradige Schwerhörigkeit 40 - 60 10 20 30 30 40 40
Hochgradige Schwerhörigkeit 60-80 10 20 30 50 50 50
An Taubheit grenzende Schwerhörigkeit 80 - 95 15 30 40 50 70 70
Taubheit 100 20 30 40 50 70 80
                                  Hörverlust in %        0 - 20 20 - 40 40 - 60 60 - 80 80 - 95 100

N

O

M

A

L

G

E
R
I
N
G

M

I
T
T
E
L

H

O
C
H

F

S
T

T

A

U

B

T

A
U
B

  LINKES   OHR
 
  5.3 Gleichgewichtsstörungen  
  (Normabweichungen in den apparativ erhobenen neurootologischen Untersuchungsbefunden bedingen für sich allein noch keinen GdS)  
  ohne wesentliche Folgen  
beschwerdefrei, allenfalls Gefühl der Unsicherheit bei alltäglichen Belastungen (z. B. Gehen, Bücken, Aufrichten, Kopfdrehungen, leichte Arbeiten in wechselnder Körperhaltung) leichte Unsicherheit, geringe Schwindelerscheinungen (Schwanken) bei höheren Belastungen (z. B. Heben von Lasten, Gehen im Dunkeln, abrupte Körperbewegungen) stärkere Unsicherheit mit Schwindelerscheinungen (Fallneigung, Ziehen nach einer Seite) erst bei außergewöhnlichen Belastungen (z. B. Stehen und Gehen auf Gerüsten, sportliche Übungen mit raschen Körperbewegungen) keine nennenswerten Abweichungen bei den Geh- und Stehversuchen
  0-10
 
  mit leichten Folgen  
leichte Unsicherheit, geringe Schwindelerscheinungen wie Schwanken, Stolpern, Ausfallsschritte bei alltäglichen Belastungen, stärkere Unsicherheit und Schwindelerscheinungen bei höheren Belastungen leichte Abweichungen bei den Geh- und Stehversuchen erst auf höherer Belastungsstufe
  20
 
  mit mittelgradigen Folgen  
stärkere Unsicherheit, Schwindelerscheinungen mit Fallneigung bereits bei alltäglichen Belastungen, heftiger Schwindel (mit vegetativen Erscheinungen, gelegentlich Übelkeit, Erbrechen) bei höheren und außergewöhnlichen Belastungen deutliche Abweichungen bei den Geh- und Stehversuchen bereits auf niedriger Belastungsstufe
  30-40
 
  mit schweren Folgen  
heftiger Schwindel, erhebliche Unsicherheit und Schwierigkeiten bereits beim Gehen und Stehen im Hellen und bei anderen alltäglichen Belastungen, teilweise Gehhilfe erforderlich
  50-70
 
  bei Unfähigkeit, ohne Unterstützung zu gehen oder zu stehen 80
Ohrgeräusche (Tinnitus)  
  ohne nennenswerte psychische Begleiterscheinungen 0-10
  mit erheblichen psychovegetativen Begleiterscheinungen 20
  mit wesentlicher Einschränkung der Erlebnis- und Gestaltungsfähigkeit (z. B. ausgeprägte depressive Störungen) 30-40
  mit schweren psychischen Störungen und sozialen Anpassungsschwierigkeiten mindestens 50
Menière-Krankheit  
  ein bis zwei Anfälle im Jahr 0-10
  häufigere Anfälle, je nach Schweregrad 20-40
  mehrmals monatlich schwere Anfälle 50
  Bleibende Hörstörungen und Ohrgeräusche (Tinnitus) sind zusätzlich zu bewerten.
5.4 Chronische Mittelohrentzündung  
  ohne Sekretion oder einseitige zeitweise Sekretion 0
  einseitige andauernde Sekretion oder zeitweise beidseitige Sekretion 10
  andauernd beidseitige Sekretion 20
Radikaloperationshöhle  
  reizlos 0
  bei unvollständiger Überhäutung und ständiger Sekretion  
    einseitig 10
    beidseitig 20
5.5 Verlust einer Ohrmuschel 20

6. Nase
6.1 Völliger Verlust der Nase 50
Teilverlust der Nase, Sattelnase  
  wenig störend 10
  sonst 20-30
6.2 Stinknase (Ozaena), je nach Ausmaß der Borkenbildung und des Foetors   20-40
Verengung der Nasengänge  
  einseitig je nach Atembehinderung 0-10
  doppelseitig mit leichter bis mittelgradiger Atembehinderung 10
  doppelseitig mit starker Atembehinderung 20
Chronische Nebenhöhlenentzündung  
  leichteren Grades (ohne wesentliche Neben- und Folgeerscheinungen)   0-10
 
  schweren Grades (ständige erhebliche Eiterabsonderung, Trigeminusreizerscheinungen, Polypenbildung)   20-40
 
6.3 Völliger Verlust des Riechvermögens mit der damit verbundenen  
  Beeinträchtigung der Geschmackswahrnehmung 15
  Völliger Verlust des Geschmackssinns 10
 
7. Mundhöhle, Rachenraum und obere Luftwege
Verletzungs- und Erkrankungsfolgen an den Kiefern, Kiefergelenken und Weichteilen der Mundhöhle, einschließlich der Zunge und der Speicheldrüsen, sind nach dem Grad ihrer Auswirkung auf Sprech-, Kau- und Schluckvermögen zu beurteilen. Eine Gesichtsentstellung ist gesondert zu berücksichtigen.
7.1 Lippendefekt mit ständigem Speichelfluss 20-30
Äußere Speichelfistel, Frey-Syndrom  
  geringe Sekretion 10
  sonst 20
Störung der Speichelsekretion  
(vermehrter Speichelfluss, Mundtrockenheit) 0-20
7.2 Schwere Funktionsstörung der Zunge durch Gewebsverlust, narbige Fixierung oder Lähmung je nach Umfang und Artikulationsstörung 30-50
Behinderung der Mundöffnung
(Schneidekantendistanz zwischen 5 und 25 mm) mit deutlicher Auswirkung auf die Nahrungsaufnahme
20-40
Kieferklemme mit Notwendigkeit der Aufnahme flüssiger oder passierter Nahrung und entsprechenden Sprechstörungen 50
7.3 Verlust eines Teiles des Unterkiefers mit schlaffer Pseudarthrose  
  ohne wesentliche Beeinträchtigung der Kaufunktion und Artikulation 0-10
  mit erheblicher Beeinträchtigung der Kaufunktion und Artikulation 20-50
Verlust eines Teiles des Oberkiefers  
  ohne wesentliche kosmetische und funktionelle Beeinträchtigung 0-10
  mit entstellender Wirkung, wesentlicher Beeinträchtigung der Nasen- und Nebenhöhlen (Borkenbildung, ständige Sekretion) 20-40
7.4 Umfassender Zahnverlust  
über 1/2 Jahr hinaus prothetisch nur unzureichend zu versorgen 10-20
Verlust erheblicher Teile des Alveolarfortsatzes mit wesentlicher, prothetisch nicht voll ausgleichbarer Funktionsbehinderung 20
7.5 Ausgedehnter Defekt des Gaumens mit gut sitzender  
Defektprothese 30
Verlust des Gaumens ohne Korrekturmöglichkeit durch geeignete Prothese (Störung der Nahrungsaufnahme) 50
7.6 Lippen-, Kiefer-, Gaumen- und Segelspalten bei Kindern, bis zum Abschluss der Behandlung  
  Isolierte voll ausgebildete Lippenspalte (ein- oder beidseitig)  
    bis zum Abschluss der Behandlung (in der Regel ein Jahr nach der Operation) je nach Trinkstörung, Beeinträchtigung der mimischen Muskulatur und Störung der Lautbildung 30-50
  Lippen-Kieferspalte  
    bis zum Abschluss der Erstbehandlung (in der Regel ein Jahr nach der Operation) 60-70
    bis zum Verschluss der Kieferspalte 50
  Lippen-Kiefer-Gaumenspalte  
    bis zum Abschluss der Erstbehandlung (in der Regel ein Jahr nach der Operation) unter Mitberücksichtigung der regelhaft damit verbundenen Hörstörung (Tubenfehlbelüftung) und der Störung der Nasenatmung 100
    bis zum Verschluss der Kieferspalte 50
  Komplette Gaumen- und Segelspalte ohne Kieferspalte  
    wegen der bis zum Abschluss der Erstbehandlung (in der Regel ein Jahr nach der Operation) bestehenden mit der Lippen-Kiefer-Gaumenspalte vergleichbaren Auswirkungen 100
    Isolierte Segelspalte, submuköse Gaumenspalte bis zum Abschluss der Behandlung je nach Ausmaß der Artikulationsstörung 0-30
  Ausgeprägte Hörstörungen sind ggf. zusätzlich zu berücksichtigen.
Nach Abschluss der Behandlung richtet sich der GdS immer nach der verbliebenen Gesundheitsstörung.  
7.7 Schluckstörungen  
  ohne wesentliche Behinderung der Nahrungsaufnahme je nach Beschwerden 0-10
  mit erheblicher Behinderung der Nahrungsaufnahme je nach Auswirkung (Einschränkung der Kostform, verlängerte Essdauer) 20-40
  mit häufiger Aspiration und erheblicher Beeinträchtigung des Kräfte- und Ernährungszustandes 50-70
7.8 Verlust des Kehlkopfes  
  bei guter Ersatzstimme und ohne Begleiterscheinungen, unter Mitberücksichtigung der Beeinträchtigung der körperlichen Leistungsfähigkeit (fehlende Bauchpresse) 70
  in allen anderen Fällen 80
Anhaltende schwere Bronchitiden und Beeinträchtigungen durch Nervenlähmungen im Hals- und Schulterbereich sind zusätzlich zu berücksichtigen.
Bei Verlust des Kehlkopfes wegen eines malignen Tumors ist in den ersten fünf Jahren eine Heilungsbewährung abzuwarten;
GdB bzw. GdS während dieser Zeit
100
Teilverlust des Kehlkopfes  
  je nach Sprechfähigkeit und Beeinträchtigung der körperlichen Leistungsfähigkeit 20-50
Bei Teilverlust des Kehlkopfes wegen eines malignen Tumors ist in den ersten fünf Jahren eine Heilungsbewährung abzuwarten;
GdS während dieser Zeit  
  bei Geschwulstentfernung im Frühstadium (T1 N0 M0) 50-60
  sonst 80
7.9 Tracheostoma  
  reizlos oder mit geringen Reizerscheinungen (Tracheitis, Bronchitis), gute Sprechstimme 40
  mit erheblichen Reizerscheinungen und/oder erheblicher Beeinträchtigung der Sprechstimme bis zum Verlust der Sprechfähigkeit (z. B. bei schweren Kehlkopfveränderungen) 50-80
Einschränkungen der Atemfunktion sind ggf. zusätzlich zu berücksichtigen.  
Trachealstenose ohne Tracheostoma  
  Der GdS ist je nach Atembehinderung analog der dauernden Einschränkung der Lungenfunktion zu beurteilen.  
7.10 Funktionelle und organische Stimmstörungen (z. B. Stimmbandlähmung)  
  mit geringer belastungsabhängiger Heiserkeit 0-10
  mit dauernder Heiserkeit 20-30
  nur Flüsterstimme 40
  mit völliger Stimmlosigkeit 50
Atembehinderungen sind ggf. zusätzlich zu bewerten analog der dauernden Einschränkung der Lungenfunktion.  
7.11 Artikulationsstörungen  
durch Lähmungen oder Veränderungen in Mundhöhle oder Rachen  
  mit verständlicher Sprache 10
  mit schwer verständlicher Sprache 20-40
  mit unverständlicher Sprache 50
Stottern  
  leicht 0-10
  mittelgradig, situationsunabhängig 20
  schwer, auffällige Mitbewegungen 30-40
  mit unverständlicher Sprache 50
Außergewöhnliche psychoreaktive Störungen einschließlich somatoformer Störungen sind ggf. zusätzlich zu berücksichtigen
   
8. Brustkorb, tiefere Atemwege und Lungen
Bei chronischen Krankheiten der Bronchien und des Lungenparenchyms sowie bei Brustfellschwarten richtet sich der GdS vor allem nach der klinischen Symptomatik mit ihren Auswirkungen auf den Allgemeinzustand. Außerdem sind die Einschränkung der Lungenfunktion, die Folgeerscheinungen an anderen Organsystemen (z. B. Cor pulmonale) und bei allergisch bedingten Krankheiten auch die Vermeidbarkeit der Allergene zu berücksichtigen.
8.1 Brüche und Defekte der Knochen des Brustkorbs (Rippen, Brustbein, Schlüsselbein)
  ohne Funktionsstörungen verheilt, je nach Ausdehnung des Defektes 0-10
Rippendefekte mit Brustfellschwarten  
  ohne wesentliche Funktionsstörung 0-10
  bei sehr ausgedehnten Defekten einschließlich entstellender Wirkung 20
Brustfellverwachsungen und -schwarten   ohne wesentliche Funktionsstörung  
0-10
Fremdkörper im Lungengewebe oder in der Brustkorbwand   reaktionslos eingeheilt  
0
8.2 Chronische Bronchitis, Bronchiektasen  
  als eigenständige Krankheiten - ohne dauernde Einschränkung der Lungenfunktion, leichte Form (symptomfreie Intervalle über mehrere Monate, wenig Husten, geringer Auswurf)   0-10
 
  schwere Form (fast kontinuierlich ausgiebiger Husten und Auswurf, häufige akute Schübe)   20-30
 
Pneumokoniosen (z. B. Silikose, Asbestose)  
  ohne wesentliche Einschränkung der Lungenfunktion 0-10
8.3 Krankheiten der Atmungsorgane mit dauernder Einschränkung der Lungenfunktion
  geringen Grades das gewöhnliche Maß übersteigende Atemnot bei mittelschwerer Belastung (z. B. forsches Gehen [5-6 km/h], mittelschwere körperliche Arbeit); statische und dynamische Messwerte der Lungenfunktionsprüfung bis zu 1/3 niedriger als die Sollwerte,
Blutgaswerte im Normbereich
  20-40
 
  mittleren Grades das gewöhnliche Maß übersteigende Atemnot bereits bei alltäglicher leichter Belastung (z. B. Spazierengehen [3-4 km/h], Treppensteigen bis zu einem Stockwerk, leichte körperliche Arbeit); statische und dynamische Messwerte der Lungenfunktionsprüfung bis zu 2/3 niedriger als die Sollwerte,
respiratorische Partialinsuffizienz
  50-70
 
  schweren Grades  
  Atemnot bereits bei leichtester Belastung oder in Ruhe; statische und dynamische Messwerte der Lungenfunktionsprüfung um mehr als 2/3 niedriger als die Sollwerte, respiratorische Globalinsuffizienz   80-100
 
8.4 Nach einer Lungentransplantation ist eine Heilungsbewährung abzuwarten (im Allgemeinen zwei Jahre); während dieser Zeit ist ein GdS von 100 anzusetzen. Danach ist der GdS selbst bei günstigem Heilungsverlauf unter Mitberücksichtigung der erforderlichen Immunsuppression nicht niedriger als 70 zu bewerten.  
Nach Entfernung eines malignen Lungentumors oder eines Bronchialtumors ist in den ersten fünf Jahren eine Heilungsbewährung abzuwarten.  
  GdS während dieser Zeit wenigstens 80
  bei Einschränkung der Lungenfunktion mittleren bis schweren Grades   90-100
 
8.5 Bronchialasthma ohne dauernde Einschränkung der Lungenfunktion 
  Hyperreagibilität mit seltenen (saisonalen) und/oder leichten Anfällen   0-20
 
  Hyperreagibilität mit häufigen (mehrmals pro Monat) und/oder schweren Anfällen   30-40
 
  Hyperreagibilität mit Serien schwerer Anfälle 50
Eine dauernde Einschränkung der Lungenfunktion ist zusätzlich zu berücksichtigen.  
8.6 Bronchialasthma bei Kindern  
  geringen Grades (Hyperreagibilität mit seltenen (saisonalen) und/oder leichten Anfällen, keine dauernde Einschränkung der Atemfunktion, nicht mehr als sechs Wochen Bronchitis im Jahr)   20-40
 
  mittleren Grades   (Hyperreagibilität mit häufigeren und/oder schweren Anfällen, leichte bis mittelgradige ständige Einschränkung der Atemfunktion, etwa 2 bis 3 Monate kontinuierliche Bronchitis im Jahr) 50-70
 
  schweren Grades (Hyperreagibilität mit Serien schwerer Anfälle, schwere Beeinträchtigung der Atemfunktion, mehr als 3 Monate kontinuierliche Bronchitis im Jahr)   80-100
 
8.7 Schlaf-Apnoe-Syndrom (Nachweis durch Untersuchung im Schlaflabor)  
  ohne Notwendigkeit einer kontinuierlichen nasalen Überdruckbeatmung 0-10
  mit Notwendigkeit einer kontinuierlichen nasalen Überdruckbeatmung 20
  bei nicht durchführbarer nasaler Überdruckbeatmung 50
Folgeerscheinungen oder Komplikationen (z. B. Herzrhythmusstörungen, Hypertonie, Cor pulmonale) sind zusätzlich zu berücksichtigen.
8.8 Tuberkulose  
      Tuberkulöse Pleuritis  
  Der GdS richtet sich nach den Folgeerscheinungen.  
Lungentuberkulose  
  ansteckungsfähig (mehr als 6 Monate andauernd) 100
  nicht ansteckungsfähig  
    ohne Einschränkung der Lungenfunktion 0
    sonst je nach Einschränkung der Lungenfunktion.  
8.9 Sarkoidose  
Der GdS richtet sich nach der Aktivität mit ihren Auswirkungen auf den Allgemeinzustand und nach den Auswirkungen an den verschiedenen Organen.
Bei chronischem Verlauf mit klinischen Aktivitätszeichen und Auswirkungen auf den Allgemeinzustand ist ohne Funktionseinschränkung von betroffenen Organen ein GdS von 30 anzunehmen.

9. Herz und Kreislauf
Für die Bemessung des GdS ist weniger die Art einer Herz- oder Kreislaufkrankheit maßgeblich als die Leistungseinbuße. Bei der Beurteilung des GdS ist zunächst von dem klinischen Bild und von den Funktionseinschränkungen im Alltag auszugehen. Ergometerdaten und andere Parameter stellen Richtwerte dar, die das klinische Bild ergänzen. Elektrokardiographische Abweichungen allein gestatten keinen Rückschluss auf die Leistungseinbuße.
9.1 Krankheiten des Herzens
9.1.1 Einschränkung der Herzleistung:  
  1. keine wesentliche Leistungsbeeinträchtigung (keine Insuffizienzerscheinungen wie Atemnot, anginöse Schmerzen) selbst bei gewohnter stärkerer Belastung (z. B. sehr schnelles Gehen [7-8 km/h], schwere körperliche Arbeit), keine Einschränkung der Solleistung bei Ergometerbelastung; bei Kindern und Säuglingen (je nach Alter) beim Strampeln, Krabbeln, Laufen, Treppensteigen keine wesentliche Leistungsbeeinträchtigung, keine Tachypnoe, kein Schwitzen 0-10
  2. Leistungsbeeinträchtigung bei mittelschwerer Belastung (z. B. forsches Gehen [5-6 km/h], mittelschwere körperliche Arbeit), Beschwerden und Auftreten pathologischer Messdaten bei Ergometerbelastung mit 75 Watt (wenigstens 2 Minuten); bei Kindern und Säuglingen Trinkschwierigkeiten, leichtes Schwitzen, leichte Tachy- und Dyspnoe, leichte Zyanose, keine Stauungsorgane, Beschwerden und Auftreten pathologischer Messdaten bei Ergometerbelastung mit 1 Watt/kg Körpergewicht 20-40
  3. Leistungsbeeinträchtigung bereits bei alltäglicher leichter Belastung (z. B. Spazierengehen [3-4 km/h], Treppensteigen bis zu einem Stockwerk, leichte körperliche Arbeit), Beschwerden und Auftreten pathologischer Messdaten bei Ergometerbelastung mit 50 Watt (wenigstens 2 Minuten); bei Kindern und Säuglingen deutliche Trinkschwierigkeiten, deutliches Schwitzen, deutliche Tachy- und Dyspnoe, deutliche Zyanose, rezidivierende pulmonale Infekte, kardial bedingte Gedeihstörungen, Beschwerden und Auftreten pathologischer Messdaten bei Ergometerbelastung mit 0,75 Watt/kg Körpergewicht 50-70
  mit gelegentlich auftretenden, vorübergehend schweren Dekompensationserscheinungen 80
  4. Leistungsbeeinträchtigung bereits in Ruhe (Ruheinsuffizienz, z. B. auch bei fixierter pulmonaler Hypertonie); bei Kindern und Säuglingen auch hypoxämische Anfälle, deutliche Stauungsorgane, kardiale Dystrophie 90-100
(Die für Erwachsene angegebenen Wattzahlen sind auf mittleres Lebensalter und Belastung im Sitzen bezogen.)  
Liegen weitere objektive Parameter zur Leistungsbeurteilung vor, sind diese entsprechend zu berücksichtigen. Notwendige körperliche Leistungsbeschränkungen (z. B. bei höhergradiger Aortenklappenstenose, hypertrophischer obstruktiver Kardiomyopathie) sind wie Leistungsbeeinträchtigungen zu bewerten.  
9.1.2 Nach operativen und anderen therapeutischen Eingriffen am Herzen ist der GdS von der bleibenden Leistungsbeeinträchtigung abhängig. Bei Herzklappenprothesen ist der GdS nicht niedriger als 30 zu bewerten; dieser Wert schließt eine Dauerbehandlung mit Antikoagulantien ein.
9.1.3 Nach einem Herzinfarkt ist der GdS von der bleibenden Leistungsbeeinträchtigung abhängig.
9.1.4 Nach Herztransplantation ist eine Heilungsbewährung abzuwarten (im Allgemeinen zwei Jahre); während dieser Zeit ist ein GdS von 100 anzusetzen. Danach ist der GdS selbst bei günstigem Heilungsverlauf unter Berücksichtigung der erforderlichen Immunsuppression nicht niedriger als 70 zu bewerten.
9.1.5 Fremdkörper im Herzmuskel oder Herzbeutel  
  reaktionslos eingeheilt 0
  mit Beeinträchtigung der Herzleistung siehe oben
9.1.6 Rhythmusstörungen  
Die Beurteilung des GdS richtet sich vor allem nach der Leistungsbeeinträchtigung des Herzens.
Anfallsweise auftretende hämodynamisch relevante Rhythmusstörungen (z. B. paroxysmale Tachykardien) je nach Häufigkeit, Dauer und subjektiver Beeinträchtigung
  bei fehlender andauernder Leistungsbeeinträchtigung des Herzens 10-30
bei bestehender andauernder Leistungsbeeinträchtigung des Herzens sind sie entsprechend zusätzlich zu bewerten.
nach Implantation eines Herzschrittmachers 10
nach Implantation eines Kardioverter-Defibrillators wenigstens 50
bei ventrikulären tachykarden Rhythmusstörungen im Kindesalter ohne Implantation eines Kardioverter-Defibrillators wenigstens 60
9.2 Gefäßkrankheiten  
9.2.1 Arterielle Verschlusskrankheiten, Arterienverschlüsse an den Beinen (auch nach rekanalisierenden Maßnahmen)  
  mit ausreichender Restdurchblutung, Pulsausfall ohne Beschwerden oder mit geringen Beschwerden (Missempfindungen in Wade und Fuß bei raschem Gehen) ein- oder beidseitig 0-10
  mit eingeschränkter Restdurchblutung (Claudicatio intermittens) Stadium II  
    Schmerzen ein- oder beidseitig nach Gehen einer Wegstrecke in der Ebene von mehr als 500 m 20
    Schmerzen ein- oder beidseitig nach Gehen einer Wegstrecke in der Ebene von 100 bis 500 m 30-40
    Schmerzen ein- oder beidseitig nach Gehen einer Wegstrecke in der Ebene von 50 bis 100 m 50-60
    Schmerzen ein- oder beidseitig nach Gehen einer Wegstrecke in der Ebene von weniger als 50 m ohne Ruheschmerz 70-80
  Schmerzen nach Gehen einer Wegstrecke unter 50 m mit Ruheschmerz (Stadium III) einschließlich trophischer Störungen (Stadium IV )  
    einseitig 80
    beidseitig 90-100
Apparative Messmethoden (z. B. Dopplerdruck) können nur eine allgemeine Orientierung über den Schweregrad abgeben.
Bei Arterienverschlüssen an den Armen wird der GdS ebenfalls durch das Ausmaß der Beschwerden und Funktionseinschränkungen - im Vergleich mit anderen Schäden an den Armen - bestimmt.
9.2.2 Nach größeren gefäßchirurgischen Eingriffen (z. B. Prothesenimplantation) mit vollständiger Kompensation einschließlich
  Dauerbehandlung mit Antikoagulantien 20
  Arteriovenöse Fisteln  
    Der GdS richtet sich nach den hämodynamischen Auswirkungen am Herzen und/oder in der Peripherie.
  Aneurysmen (je nach Sitz und Größe)  
    ohne lokale Funktionsstörung und ohne Einschränkung der Belastbarkeit 0-10
    ohne oder mit nur geringer lokaler Funktionsstörung mit Einschränkung der Belastbarkeit 20-40
    große Aneurysmen wenigstens 50
    Hierzu gehören immer die dissezierenden Aneurysmen der Aorta und die großen Aneurysmen der Aorta abdominalis und der großen Beckenarterien.
9.2.3 Unkomplizierte Krampfadern 0
Chronisch-venöse Insuffizienz (z. B. bei Krampfadern), postthrombotisches Syndrom ein- oder beidseitig  
  mit geringem belastungsabhängigem Ödem, nicht ulzerösen Hautveränderungen, ohne wesentliche Stauungsbeschwerden 0-10
  mit erheblicher Ödembildung, häufig (mehrmals im Jahr) rezidivierenden Entzündungen 20-30
  mit chronischen rezidivierenden Geschwüren, je nach Ausdehnung und Häufigkeit (einschließlich arthrogenes Stauungssyndrom) 30-50
Lymphödem  
  an einer Gliedmaße  
  ohne wesentliche Funktionsbehinderung, Erfordernis einer Kompressionsbandage 0-10
  mit stärkerer Umfangsvermehrung (mehr als 3 cm) je nach Funktionseinschränkung 20-40
  mit erheblicher Beeinträchtigung der Gebrauchsfähigkeit der betroffenen Gliedmaße, je nach Ausmaß 50-70
  bei Gebrauchsunfähigkeit der ganzen Gliedmaße 80
Entstellungen bei sehr ausgeprägten Formen sind ggf. zusätzlich zu berücksichtigen.  
9.3 Hypertonie (Bluthochdruck)  
  leichte Form
keine oder geringe Leistungsbeeinträchtigung (höchstens leichte Augenhintergrundveränderungen)
  0-10
 
  mittelschwere Form
mit Organbeteiligung leichten bis mittleren Grades (Augenhintergrundveränderungen - Fundus hypertonicus I-II - und/oder Linkshypertrophie des Herzens und/oder Proteinurie), diastolischer Blutdruck mehrfach über 100 mm Hg trotz Behandlung, je nach Leistungsbeeinträchtigung
  20-40
 
  schwere Form
mit Beteiligung mehrerer Organe (schwere Augenhintergrundveränderungen und Beeinträchtigung der Herzfunktion, der Nierenfunktion und/oder der Hirndurchblutung) je nach Art und Ausmaß der Leistungsbeeinträchtigung
  50-100
 
  maligne Form diastolischer Blutdruck konstant über 130 mm Hg; Fundus hypertonicus III-IV (Papillenödem, Venenstauung, Exsudate, Blutungen, schwerste arterielle Gefäßveränderungen); unter Einschluss der Organbeteiligung (Herz, Nieren, Gehirn)   100
 
Funktionelle kardiovaskuläre Syndrome, (z. B. orthostatische Fehlregulation)  
  mit leichten Beschwerden 0
  mit stärkeren Beschwerden und Kollapsneigung 10-20

10. Verdauungsorgane
10.1 Speiseröhrenkrankheiten
Traktionsdivertikel je nach Größe und Beschwerden 0-10
Pulsionsdivertikel  
  ohne wesentliche Behinderung der Nahrungsaufnahme je nach Größe und Beschwerden 0-10
  mit erheblicher Behinderung der Nahrungsaufnahme je nach Auswirkung auf den Allgemeinzustand 20-40
Funktionelle Stenosen der Speiseröhre (Ösophagospasmus, Achalasie)  
  ohne wesentliche Behinderung der Nahrungsaufnahme 0-10
  mit deutlicher Behinderung der Nahrungsaufnahme 20-40
  mit erheblicher Beeinträchtigung des Kräfte- und Ernährungszustandes, häufige Aspiration 50-70
  Auswirkungen auf Nachbarorgane (z. B. durch Aspiration) sind zusätzlich zu bewerten.  
Organische Stenose der Speiseröhre (z. B. angeboren, nach Laugenverätzung, Narbenstenose, peptische Striktur)  
  ohne wesentliche Behinderung der Nahrungsaufnahme je nach Größe und Beschwerden 0-10
  mit deutlicher Behinderung der Nahrungsaufnahme je nach Auswirkung (Einschränkung der Kostform, verlängerte Essdauer) 20-40
  mit erheblicher Beeinträchtigung des Kräfte- und Ernährungszustandes 50-70
Refluxkrankheit der Speiseröhre  
  mit anhaltenden Refluxbeschwerden je nach Ausmaß 10-30
  Auswirkungen auf Nachbarorgane sind zusätzlich zu bewerten.  
Nach Entfernung eines malignen Speiseröhrentumors ist in den ersten fünf Jahren eine Heilungsbewährung abzuwarten. GdS während dieser Zeit
  je nach Beeinträchtigung des Kräfte- und Ernährungszustandes 80-100
Speiseröhrenersatz  
Der GdS ist nach den Auswirkungen (z. B. Schluckstörungen, Reflux, Narben) jedoch nicht unter 20 zu bewerten.  
10.2 Magen- und Darmkrankheiten
Bei organischen und funktionellen Krankheiten des Magen-Darmkanals ist der GdS nach dem Grad der Beeinträchtigung des Allgemeinzustandes, der Schwere der Organstörung und nach der Notwendigkeit besonderer Diätkost zu beurteilen. Bei allergisch bedingten Krankheiten ist auch die Vermeidbarkeit der Allergene von Bedeutung.
10.2.1 Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwürsleiden (chronisch rezidivierende Geschwüre, Intervallbeschwerden)
  mit Rezidiven in Abständen von zwei bis drei Jahren 0-10
  mit häufigeren Rezidiven und Beeinträchtigung des Ernährungs- und Kräftezustandes 20-30
  mit erheblichen Komplikationen (z. B. Magenausgangsstenose) und andauernder erheblicher Minderung des Ernährungs- und Kräftezustandes 40-50
Nach einer selektiven proximalen Vagotomie kommt ein GdS nur in Betracht, wenn postoperative Darmstörungen oder noch Auswirkungen des Grundleidens vorliegen.
Chronische Gastritis (histologisch gesicherte Veränderung der Magenschleimhaut) 0-10
Reizmagen (funktionelle Dyspepsie) 0-10
Teilentfernung des Magens, Gastroenterostomie  
  mit guter Funktion, je nach Beschwerden 0-10
  mit anhaltenden Beschwerden (z. B. Dumping-Syndrom, rezidivierendes Ulcus jejuni pepticum) 20-40
Totalentfernung des Magens  
  ohne Beeinträchtigung des Kräfte- und Ernährungszustandes je nach Beschwerden 20-30
  bei Beeinträchtigung des Kräfte- und Ernährungszustandes und/oder Komplikationen (z. B. Dumping-Syndrom) 40-50
Nach Entfernung eines malignen Magentumors ist eine Heilungsbewährung abzuwarten.
GdS während einer Heilungsbewährung von zwei Jahren nach Entfernung eines Magenfrühkarzinoms 50
GdS während einer Heilungsbewährung von fünf Jahren nach Entfernung aller anderen malignen Magentumoren je  
nach Stadium und Auswirkung auf den Allgemeinzustand 80-100
10.2.2 Chronische Darmstörungen (irritabler Darm, Divertikulose, Divertikulitis, Darmteilresektion)
  ohne wesentliche Beschwerden und Auswirkungen 0-10
  mit stärkeren und häufig rezidivierenden oder anhaltenden Symptomen (z. B. Durchfälle, Spasmen) 20-30
  mit erheblicher Minderung des Kräfte- und Ernährungszustandes 40-50
Angeborene Motilitätsstörungen des Darmes (z. B. Hirschsprung-Krankheit, neuronale Dysplasie)  
  ohne wesentliche Gedeih- und Entwicklungsstörung 10-20
  mit geringer Gedeih- und Entwicklungsstörung 30-40
  mit mittelgradiger Gedeih- und Entwicklungsstörung 50
  mit schwerer Gedeih- und Entwicklungsstörung 60-70
Kurzdarmsyndrom im Kindesalter  
  mit mittelschwerer Gedeih- und Entwicklungsstörung 50-60
  mit schwerer Gedeih- und Entwicklungsstörung (z. B. Notwendigkeit künstlicher Ernährung) 70-100
Colitis ulcerosa, Crohn-Krankheit (Enteritis regionalis)
  mit geringer Auswirkung (geringe Beschwerden, keine oder geringe Beeinträchtigung des Kräfte- und Ernährungszustandes, selten Durchfälle) 10-20
  mit mittelschwerer Auswirkung (häufig rezidivierende oder länger anhaltende Beschwerden, geringe bis mittelschwere Beeinträchtigung des Kräfte- und Ernährungszustandes, häufiger Durchfälle) 30-40
  mit schwerer Auswirkung (anhaltende oder häufig rezidivierende erhebliche Beschwerden, erhebliche Beeinträchtigung des Kräfte- und Ernährungszustandes, häufige, tägliche, auch nächtliche Durchfälle) 50-60
  mit schwerster Auswirkung (häufig rezidivierende oder anhaltende schwere Beschwerden, schwere Beeinträchtigung des Kräfte- und Ernährungszustandes, ausgeprägte Anämie) 70-80
  Fisteln, Stenosen, postoperative Folgezustände (z. B. Kurzdarmsyndrom, Stoma-komplikationen), extraintestinale Manifestationen (z. B. Arthritiden), bei Kindern auch Wachstums- und Entwicklungsstörungen, sind zusätzlich zu bewerten.
Zöliakie, Sprue  
  ohne wesentliche Folgeerscheinungen unter diätetischer Therapie 20
  bei andauerndem, ungenügendem Ansprechen auf glutenfreie Kost (selten) sind - je nach Beeinträchtigung des Kräfte- und Ernährungszustands - höhere Werte angemessen.  
Nach Entfernung maligner Darmtumoren ist eine Heilungsbewährung abzuwarten.  
GdS während einer Heilungsbewährung von zwei Jahren  
  nach Entfernung eines malignen Darmtumors im Stadium (T1 bis T2) N0 M0 oder von lokalisierten Darmkarzinoiden 50
  mit künstlichem After (nicht nur vorübergehend angelegt) 70-80
GdS während einer Heilungsbewährung von fünf Jahren  
  nach Entfernung anderer maligner Darmtumoren wenigstens 80
  mit künstlichem After (nicht nur vorübergehend angelegt) 100
10.2.3 Bauchfellverwachsungen  
  ohne wesentliche Auswirkung 0-10
  mit erheblichen Passagestörungen 20-30
  mit häufiger rezidivierenden Ileuserscheinungen 40-50
10.2.4 Hämorrhoiden  
  ohne erhebliche Beschwerden, geringe Blutungsneigung 0-10
  mit häufigen rezidivierenden Entzündungen, Thrombosierungen oder stärkeren Blutungen 20
Mastdarmvorfall  
  klein, reponierbar 0-10
  sonst 20-40
Afterschließmuskelschwäche  
  mit seltenem, nur unter besonderen Belastungen auftretendem, unwillkürlichem Stuhlabgang 10
  sonst 20-40
Funktionsverlust des Afterschließmuskels wenigstens 50
Fistel in der Umgebung des Afters  
  geringe, nicht ständige Sekretion 10
  sonst 20-30
Künstlicher After  
  mit guter Versorgungsmöglichkeit 50
  sonst (z. B. bei Bauchwandhernie, Stenose, Retraktion, Prolaps, Narben, ungünstige Position) 60-80
Bei ausgedehntem Mastdarmvorfall, künstlichem After oder stark sezernierenden Kotfisteln, die zu starker Verschmutzung führen, sind ggf. außergewöhnliche seelische Begleiterscheinungen zusätzlich zu berücksichtigen.
10.3 Krankheiten der Leber, Gallenwege und Bauchspeicheldrüsecolspan="3" 
Der GdS für Krankheiten der Leber, der Gallenwege und der Bauchspeicheldrüse wird bestimmt durch die Art und Schwere der Organveränderungen sowie der Funktionseinbußen, durch das Ausmaß der Beschwerden, die Beeinträchtigung des Allgemeinzustandes und die Notwendigkeit einer besonderen Kostform. Der serologische Nachweis von Antikörpern als Nachweis einer durchgemachten Infektion (Seronarbe) rechtfertigt allein noch keinen GdS.
10.3.1 Chronische Hepatitis
Unter dem Begriff „chronische Hepatitis" werden alle chronischen Verlaufsformen von Hepatitiden zusammengefasst (früher: „chronische Hepatitis ohne Progression" <chronisch-persistierende Hepatitis> und „chronische Hepatitiswidth:300px; mit Progression" <chronisch aktive Hepatitis> Dazu gehören insbesondere die Virus-, die Autoimmun-, die Arzneimittel- und die kryptogene Hepatitis.
Die gutachtliche Beurteilung einer chronischen Hepatitis beruht auf dem klinischen Befund einschließlich funktionsrelevanter Laborparameter, auf der Ätiologie sowie auf dem histopathologischen Nachweis des Grades der nekroinflammatorischen Aktivität (Grading) und des Stadiums der Fibrose (Staging). Zusätzlich sind engmaschige Verlaufskontrollen und die Beachtung der Differentialdiagnose erforderlich. Dies gilt auch für geltend gemachte Verschlimmerungen im Leidensverlauf. Der GdS und die Leidensbezeichnung ergeben sich aus der nachfolgenden Tabelle, wobei bereits übliche Befindlichkeitsstörungen - nicht aber extrahepatische Manifestationen - berücksichtigt sind.
Chronische Hepatitis  
  ohne (klinisch-) entzündliche Aktivität
ehemals: chronische Hepatitis ohne Progression
20  
 
  mit geringer (klinisch-) entzündlicher Aktivität
ehemals: chronische Hepatitis mit Progression, gering entzündliche Aktivität
30  
 
  mit mäßiger (klinisch-) entzündlicher Aktivität
ehemals: chronische Hepatitis mit Progression, mäßig entzündliche Aktivität
40  
 
  mit starker (klinisch-) entzündlicher Aktivität  
ehemals: chronische Hepatitis mit Progression, stark entzündliche Aktivität  
 
  je nach Funktionsstörung 50-70
  Alleinige Virus-Replikation („gesunder Virusträger") 10
  bei Hepatitis-C-Virus nur nach histologischem Ausschluss einer Hepatitis.  
Bei Vorliegen eines histologischen Befundes gelten für die Virus-Hepatitiden folgende Besonderheiten:
Die histopathologische Bewertung der chronischen Virushepatitis umfasst die nekroinflammatorische Aktivität (Grading) und den Grad der Fibrose (Staging). Der GdS ergibt sich aus folgender Tabelle, wobei die genannten GdS-Werte die üblichen klinischen Auswirkungen mit umfassen.
 
nekro-inflammatorische Aktivität Fibrose
null - gering mäßig stark
gering 20 20 30
mäßig 30 40 40
stark 50 60 70
 
Anmerkung:
Die Auswertung des histologischen Befundes soll sich an dem modifizierten histologischen Aktivitätsindex (HAI) ausrichten. Eine geringe nekro-inflammatorische Aktivität entspricht einer Punktzahl von 1 bis 5, eine mäßige nekro-inflammatorische Aktivität einer Punktzahl von 6 bis 10 und eine starke nekro-inflammatorische Aktivität einer Punktzahl von 11 bis 18. Eine fehlende bzw. geringe Fibrose entspricht einer Punktzahl 0 bis 2, eine mäßige Fibrose der Punktzahl 3 und eine starke Fibrose einer Punktzahl von 4 bis 5.
Für die Virushepatitis C gelten bei fehlender Histologie im Hinblick auf die chemischen Laborparameter folgende Besonderheiten:
  ALAT-/GPT-Werte im Referenzbereich entsprechen bei nachgewiesener Hepatitis-C-Virus-Replikation einer chronischen Hepatitis ohne (klinisch-) entzündliche Aktivität.
  ALAT-/GPT-Werte bis zum 3-fachen der oberen Grenze des Referenzbereichs entsprechen einer geringen (klinisch-) entzündlichen Aktivität
  ALAT-/GPT-Werte vom 3-fachen bis zum 6-fachen der oberen Grenze des Referenzbereichs entsprechen einer mäßigen (klinisch-) entzündlichen Aktivität
  ALAT-/GPT-Werte von mehr als dem 6-fachen der oberen Grenze des Referenzbereichs entsprechen einer starken (klinisch-) entzündlichen Aktivität
Diese Bewertungen sind nur zulässig, wenn sie sich in das klinische Gesamtbild des bisherigen Verlaufs einfügen.
10.3.2 Fibrose der Leber ohne Komplikationen 0-10
Leberzirrhose  
  kompensiert  
    inaktiv 30
    gering aktiv 40
    stärker aktiv 50
  dekompensiert (Aszites, portale Stauung, hepatische Enzephalopathie) 60-100
10.3.3 Fettleber (auch nutritiv-toxisch) ohne Mesenchymreaktion 0-10
Toxischer Leberschaden  
  Der GdS ist je nach Aktivität und Verlauf analog zur chronischen Hepatitis oder Leberzirrhose zu beurteilen.
Zirkulatorische Störungen der Leber (z. B. Pfortaderthrombose)  
  Der GdS ist analog zur dekompensierten Leberzirrhose zu beurteilen.
Nach Leberteilresektion ist der GdS allein davon abhängig, ob und wieweit Funktionsbeeinträchtigungen verblieben sind.
10.3.4 Nach Entfernung eines malignen primären Lebertumors ist in den ersten fünf Jahren eine Heilungsbewährung abzuwarten; GdS während dieser Zeit 100
Nach Lebertransplantation ist eine Heilungsbewährung abzuwarten (im Allgemeinen zwei Jahre); GdS während dieser Zeit 100. Danach selbst bei günstigem Heilungsverlauf unter Berücksichtigung der erforderlichen Immunsuppression wenigstens 60
10.3.5 Primäre biliäre Zirrhose, primäre sklerosierende Cholangitis
  GdS ist je nach Aktivität und Verlauf analog zur chronischen   Hepatitis oder Leberzirrhose zu beurteilen. 
Gallenblasen- und Gallenwegskrankheiten (Steinleiden, chronisch rezidivierende Entzündungen)  
  mit Koliken in Abständen von mehreren Monaten, Entzündungen in Abständen von Jahren 0-10
  mit häufigeren Koliken und Entzündungen sowie mit Intervallbeschwerden 20-30
  mit langanhaltenden Entzündungen oder mit Komplikationen 40-50
Angeborene intra- und extrahepatische Transportstörungen der Galle (z. B. intra-, extrahepatische Gallengangsatresie), metabolische Defekte (z. B. Meulengracht-Krankheit)  
  ohne Funktionsstörungen, ohne Beschwerden 0-10
  mit Beschwerden (Koliken, Fettunverträglichkeit, Juckreiz),  
    ohne Leberzirrhose 20-40
    mit Leberzirrhose 50
    mit dekompensierter Leberzirrhose 60-100
  Folgezustände sind zusätzlich zu bewerten.  
Verlust der Gallenblase ohne wesentliche Störungen 0
bei fortbestehenden Beschwerden wie bei Gallenwegskrankheiten  
Nach Entfernung eines malignen Gallenblasen-, Gallenwegs- oder Papillentumors ist in den ersten fünf Jahren eine Heilungsbewährung abzuwarten; GdS während dieser Zeit  
  bei Gallenblasen- und Gallenwegstumor 100
  bei Papillentumor 80
10.3.6 Chronische Krankheit der Bauchspeicheldrüse (exkretorische Funktion) je nach Auswirkung auf den Allgemeinzustand, Häufigkeit und Ausmaß der Schmerzen  
  ohne wesentlichen Beschwerden, keine Beeinträchtigung des Kräfte- und Ernährungszustandes 0-10
  geringe bis erhebliche Beschwerden, geringe bis mäßige Beeinträchtigung des Kräfte- und Ernährungszustandes 20-40
  starke Beschwerden, Fettstühle, deutliche bis ausgeprägte Herabsetzung des Kräfte- und Ernährungszustandes 50-80
Nach teilweiser oder vollständiger Entfernung der Bauchspeicheldrüse sind ggf. weitere Funktionsbeeinträchtigungen (z. B. bei Diabetes mellitus, Osteopathie, oder infolge chronischer Entzündungen der Gallenwege, Magenteilentfernung und Milzverlust) zusätzlich zu berücksichtigen.  
Nach Entfernung eines malignen Bauchspeicheldrüsentumors ist in den ersten fünf Jahren eine Heilungsbewährung abzuwarten; GdS während dieser Zeit 100.  

11.
Brüche (Hernien)
11.1 Leisten- oder Schenkelbruch je nach Größe und Reponierbarkeit  
  ein- oder beidseitig 0-10
  bei erheblicher Einschränkung der Belastungsfähigkeit 20
11.2 Nabelbruch oder Bruch in der weißen Linie 0-10
Bauchnarbenbruch, angeborene Bauchwandbrüche und -defekte  
  ohne wesentliche Beeinträchtigung, je nach Größe 0-10
  mit ausgedehnter Bauchwandschwäche und fehlender oder stark eingeschränkter Bauchpresse 20
  mit Beeinträchtigung der Bauchorgane bei Passagestörungen ohne erhebliche Komplikationen 20-30
  bei häufigen rezidivierenden Ileuserscheinungen 40-50
  Bei schweren angeborenen Bauchwanddefekten mit entspechender Beeinträchtigung der Bauch- und Brustorgane kommt auch ein höherer GdS in Betracht.  
11.3 Zwerchfellbrüche (einschl. Zwerchfellrelaxation)  
  Speiseröhrengleithernie 0-10
  andere kleine Zwerchfellbrüche ohne wesentliche Funktionsstörung 0-10
  größere Zwerchfellbrüche je nach Funktionsstörung 20-30
  Komplikationen sind zusätzlich zu bewerten.
Angeborene Zwerchfelldefekte mit Verlagerung von inneren Organen in den Brustkorb und Minderentwicklung von Lungengewebe  
  mit geringer Einschränkung der Lungenfunktion 40
  sonst je nach Funktionsbeeinträchtigung der betroffenen Organe 50-100

12.
Harnorgane
Die Beurteilung des GdS bei Schäden der Harnorgane richtet sich nach dem Ausmaß der Störungen der inkretorischen und exkretorischen Nierenfunktion und/oder des Harntransportes, das durch spezielle Untersuchungen zu erfassen ist.
Daneben sind die Beteiligung anderer Organe (z. B. Herz/Kreislauf, Zentralnervensystem, Skelettsystem), die Aktivität eines Entzündungsprozesses, die Auswirkungen auf den Allgemeinzustand und die notwendige Beschränkung in der Lebensführung zu berücksichtigen.
Unter dem im Folgenden verwendeten Begriff „Funktionseinschränkung der Nieren" ist die Retention harnpflichtiger Substanzen zu verstehen.
12.1 Nierenschäden  
12.1.1 Verlust, Ausfall oder Fehlen einer Niere bei Gesundheit der  
anderen Niere 25
Verlust, Ausfall oder Fehlen einer Niere bei Schaden der anderen Niere, ohne Einschränkung der Nierenfunktion, mit krankhaftem Harnbefund 30
Nierenfehlbildung (z. B. Erweiterung des Nierenhohlsystems bei Ureterabgangsstenose, Nierenhypoplasie, Zystennieren, Nierenzysten, Beckenniere), Nephroptose  
  ohne wesentliche Beschwerden und ohne Funktionseinschränkung 0-10
  mit wesentlichen Beschwerden und ohne Funktionseinschränkung 20-30
Nierensteinleiden ohne Funktionseinschränkung der Niere  
  mit Koliken in Abständen von mehreren Monaten 0-10
  mit häufigeren Koliken, Intervallbeschwerden und wiederholten Harnwegsinfekten 20-30
Nierenschäden ohne Einschränkung der Nierenfunktion (z. B. Glomerulopathien, tubulointerstitielle Nephropathien, vaskuläre Nephropathien), ohne Beschwerden, mit krankhaftem Harnbefund (Eiweiß und/oder Erythrozyten- bzw. Leukozytenausscheidung) 0-10
12.1.2 Nierenschäden ohne Einschränkung der Nierenfunktion, mit Beschwerden rezidivierende Makrohämaturie, je nach Häufigkeit 10-30
Nephrotisches Syndrom  
  kompensiert (keine Ödeme) 20-30
  dekompensiert (mit Ödemen) 40-50
  bei Systemerkrankungen mit Notwendigkeit einer immunsuppressiven Behandlung 50
12.1.3 Nierenschäden mit Einschränkung der Nierenfunktion  
Eine geringfügige Einschränkung der Kreatininclearance auf 50-80 ml/min bei im Normbereich liegenden Serumkreatininwerten bedingt keinen messbaren GdS.
Nierenfunktionseinschränkung  
  leichten Grades  
  (Serumkreatininwerte unter 2 mg/dl [Kreatininclearance ca. 35-50 ml/min], Allgemeinbefinden nicht oder nicht wesentlich reduziert, keine Einschränkung der Leistungsfähigkeit) 20-30
  (Serumkreatininwerte andauernd zwischen 2 und 4 mg/dl erhöht, Allgemeinbefinden wenig reduziert, leichte Einschränkung der Leistungsfähigkeit) 40
  mittleren Grades  
  (Serumkreatininwerte andauernd zwischen 4 und 8 mg/dl erhöht, Allgemeinbefinden stärker beeinträchtigt, mäßige Einschränkung der Leistungsfähigkeit) 50-70
  schweren Grades